„Herr, all mein Sehnen liegt offen vor dir, mein Seufzen war dir nicht verborgen.“

Psalm 38. 10

Liebe Gemeinde!

 

Ein kleiner Lichtschein im Dunkel, ist der Vers, der Monatsspruch für den Monat Oktober.

Im 38. Psalm gibt uns der Psalmbeter einen Einblick in sein Innerstes. Schuld hat er auf sich geladen. Es ist Gott selbst der ihn bedrückt, so sein Eindruck.

Matt, niedergedrückt, ohnmächtig fühlt sich der Beter, von seinen Mitmenschen isoliert und angefeindet.

Da scheint zunächst kein Licht am Ende des Tunnels aufzuleuchten, keine Hoffnung in Sicht zu sein.

Die Situation des Psalmbeters, ich empfehle den Psalm als ganzen zu lesen, ist nicht einmalig. Viele kennen das.

Einsamkeit kann niederdrücken. Nicht verstanden zu werden kann eine Last sein. Schuld kann in die Enge treiben.

Da kann es Situationen geben, wo einem regelrecht die Luft wegbleibt. Seelische Symptome schlagen sich körperlich nieder.

Wonach sich der Psalmbeter sehnt beschreibt er am Ende und drückt es in einer Bitte aus. Darauf läuft sein Gebet zu.

Verlass mich nicht, HERR, mein Gott, sei nicht ferne von mir!

Eile, mir beizustehen, Herr, meine Hilfe!

Es ist dieses Sehnen, von dem der Monatsspruch spricht. Es ist dieses Sehnen, das Gott bekannt ist.

In allen „Depressionen“, in allen Niedergeschlagenheiten und Beschwernissen kennt Gott unsere Sehnsucht nach Freiheit, nach Heilung, nach Gottes Nähe.

Dass der Psalmbeter sich in der Schwere seines Lebens an Gott wendet, an ihm festhält, dass ist das Wunder. Er weiß und ist von der Gewissheit getragen, dass Gott ihn festhält und nicht preisgibt.

Das kann dann mehr sein als ein kleiner Lichtschein im Dunkel!

Dieses Wissen, diesen Glauben und diese Gewissheit wünsche ich Ihnen!

                                                    

Gerhard Utsch

 

 

„Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm.“

1. Joh. 4. 16

Liebe Gemeinde!

In diesen Tagen sind viele Menschen unterwegs. Unsere Autobahnen legen an manchen Tagen den Eindruck einer Völkerwanderung nahe. Menschen begeben sich auf diese Wege in der Regel freiwillig. Es ist Urlaubszeit. – Niemandem sei das missgönnt.

An anderen Orten Europas sind Menschen auch unterwegs. Nicht wenige auf dem Mittelmeer. Sie sind nicht freiwillig unterwegs. Politische und ökonomische Gründe zwingen sie dazu. Es sind Gründe, die wir mitverursachen.

Heute las ich die Meldung, dass „Adidas“ im letzten Jahr einen Gewinn von über 2 Mrd. € eingestrichen hat und Sponsorengelder von 65 Mill. € jährlich an den DFB zahlt.

Demgegenüber gehen von jedem verkauften Schuh von „Adidas“ nur 2,5 % der Erlöse an die Arbeiter. – Ein Beispiel von vielen!!!!!

Es scheint so zu sein, dass die ArbeiterInnen etwas abhaben wollen von dem Gewinn, den sie erwirtschaften. Sie holen es sich persönlich ab. [Blöd gelaufen!]

Die Frage ist ernst zu nehmen: Wie viele sollen kommen dürfen? Wie viele Zuwanderer verkraftet unsere Gesellschaft? Wann muss Schluss sein?

Eine von nicht wenigen diskutierte Lösung des Problems:

„Die Schließung der Südroute.

Aber ist das wirklich alternativlos?

Ich komme in Schwierigkeiten mit den Grundwerten meines Glaubens, wie sie im Monatsspruch für den Monat August aus dem 1. Johannesbrief formuliert sind. Die Macht des Faktischen scheint erdrückend.

Gott selbst legt fest, was Liebe ist und diesen Namen verdient.

In 1. Kor. 13 wird diese Liebe anschaulich beschrieben.

Wer in dieser Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.

Aber wie kommen wir aus diesem Dilemma heraus? Wie können wir Realpolitik treiben und dem Anspruch dieser Liebe nicht vorschnell den Abschied geben? Wie können wir der Macht des Faktischen standhalten?

Vielleicht müssen wir weiterdenken und anders denken und mutiger sein. Vielleicht müssen wir offener sein für neue Ansätze.

So las ich folgendes:

„Wenn so lange in eine Richtung gedacht wurde, sollte man die Frage vielleicht einmal umdrehen: Was wäre, wenn alle Menschen kommen könnten, die wollen? Wenn alle Grenzen offen wären?

Die erstaunlichste Folge wäre ein deutlich höherer Wohlstand für alle. Wirtschaftsforscher ermittelten in vier unterschiedlichen Studien, dass sich das weltweite Bruttoinlandsprodukt um einen Wert zwischen 67% und 147% erhöhen würde. Der Grund: Eine Arbeitskraft, die von einem armen Land in ein wohlhabendes zieht, entfaltet – unter anderem durch einen effizienteren Arbeitsmarkt sowie bessere Arbeitsbedingungen und Hilfsmittel – eine erheblich höhere Produktivität.

„Das führt sowohl in den Sender- als auch den Empfängerländern zu mehr Wohlstand“, sagt Klaus F. Zimmermann, emeritierter Professor für Wirtschaftliche Staatswissenschaften an der Universität Bonn. „Denn nicht nur transferieren Migranten Geld und Wissen in ihre alte Heimat – sehr viele kehren nach einer Weile auch wieder dorthin zurück.“

Je offener die Grenzen, desto häufiger sieht man diese „zirkuläre Migration“. Als die Grenze zwischen den USA und Mexiko in den Sechzigerjahren noch weniger streng geschützt wurde, kamen zwar 70 Millionen Mexikaner in die USA – 85 Prozent von ihnen kehrten aber wieder nach Mexiko zurück. Je schwieriger die Einreise, umso größer der Anreiz zu bleiben, wenn man es erst einmal geschafft hat.“

 

Ich gebe zu, dass es mühsam und anspruchsvoll ist, sich diesen Gedanken zu stellen. Nicht jeder und jede kann das und muss das.

Aber wenn wir schon nicht aus Liebe zu den Benachteiligten und Opfern anders zu denken wagen, dann vielleicht aus wirtschaftlichen Gründen.

Gottes Liebe zu uns sollte Motivation genug sein, aufzubegehren gegen die vermeintlichen schnellen Lösungen.

Gottes Liebe zu uns sollte Motivation genug sein, mutig Neues zu denken und es auch laut zu sagen.

Gottes Liebe zu uns sollte Motivation genug sein, keine Mühen zu scheuen.

Gottes Liebe zu uns sollte Motivation genug sein, in seiner Liebe zu bleiben und sie zu leben, in aller Unzulänglichkeit.

Denn, so Dietrich Bonhoeffer, „Kirche ist immer Kirche für andere“.

 

In diesem Sinne schöne erholsame und sinnvolle Ferien!

                                                    

Gerhard Utsch

 

 

 

Könnte ich doch hören,

was Gott der HERR redet.

Psalm 85,9

von Präses Annette Kurschus

 

Dieser sehnliche Wunsch gehört im Kalender der Kirchen in die Zeit des Advents. Es ist ein Wunsch nach Worten, die von Frieden künden. Die Sehnsucht nach Sätzen, die Heil bringen und heil machen.

 

Hören, was Gott redet: Das ist nicht leicht. Da ist so viel äußerer Lärm. Da gibt es hasserfüllte Parolen, wüste Beschimpfungen. Da werden immer neue Forderungen und verwirrende Meinungen laut, es gibt Skandale und Katastrophen. Wie sollte man da die Stimme Gottes heraushören? Und da ist so viel innere Unruhe, so viel Gequassel in mir selbst. 
Dazu kommt die bittere Erfahrung, dass dem eigenen Leben und dem eigenen Glauben manchmal so gar nichts von Gott abzulauschen ist. Da nagt das ernüchternde Erleben, dass mein Gebet – kaum hat es Herz und Lippen verlassen – anscheinend an der Zimmerdecke kleben bleibt, dass Gott schweigt – so, als sei ihm der Lärm, den wir machen, zu viel geworden, als würde er sagen: „Macht doch, was ihr wollt. Ihr redet ja selbst ununterbrochen. Mir seid ihr zu laut und zu taub.“ 
Der Mensch, der im 85. Psalm sein Herz auftut und seine Stimme erhebt, hat offenbar solche Erfahrungen gemacht. „Hilf uns, Gott, unser Heiland, und lass ab von deiner Ungnade über uns!“, ruft er aus. Und fragt flehentlich: „Willst du denn ewiglich über uns zürnen und deinen Zorn walten lassen für und für?“ (V.5f) 
Seltsam – und zugleich tröstlich! –, dass die Bibel, die das Wort Gottes ist und das Buch von Gottes Reden, solche zutiefst menschlichen Erfahrungen kennt und sogar ausspricht. In ihrer berührenden Menschlichkeit schlägt das Herz eines großen Geheimnisses. Denn ein großes Geheimnis ist und bleibt es ja, wie und warum der Glaube dieses menschliche Buch als Wort Gottes hört und erfährt. Ausgerechnet die Worte von Menschen sind es – zu Gott und über Gott und vor Gott gesprochen –, die wieder neu zu Gottes Wort werden, wenn wir sie unsererseits vor Gott hören und lesen und weitersprechen. 
Nichts anderes tun wir im Gottesdienst, im Religionsunterricht, in Bibelstunden, in Seelsorgegesprächen ...

Wenn ich den menschlichen Worten der Bibel mein Ohr, meinen Kopf, meine Gedanken und meine Stimme leihe; wenn ich auch meine Zweifel in sie lege, meine Klage, meine Enttäuschung über Gottes Schweigen – dann antworten sie. Das ist die Erfahrung insbesondere des protestantischen Glaubens.

„Doch ist ja seine Hilfe nahe denen, die ihn fürchten“, so bekennt es der Psalmbeter schon im nächsten Vers.
Die Bibel ist ein mächtiges Buch. Und sie ist mächtig als offenes Buch; deshalb liegt sie offen auf unseren Altären und Abendmahlstischen, auf Schreibtischen, Nachttischen und Sitzungstischen. Wer die Bibel vor allem dazu benutzt, sie anderen um die Ohren zu schlagen, der hat sie vorher zugeklappt. Es ist nicht unsere Aufgabe, immer schon zu wissen, was Gott geredet hat. 
Aber sein Reden wird zum Segen, wo Menschen wirklich und ehrlich danach fragen, „was Gott der HERR redet.“ Jetzt. Zu mir und zu uns. Denn – so formuliert es Martin Luther – „das Wort Gottes ist eine Speise. Wer sie isset, den hungert noch mehr danach ... Wir haben die gewisseste Verheißung und den Trost, dass sein Wort nicht müßig sein wird, wenn wir fleißig damit umgehen“.

 

Über die Autorin

Annette Kurschus ist evangelische Theologin und Pfarrerin. Seit 2012 ist sie Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, womit dieses Amt erstmals von einer Frau bekleidet wird. Seit 2015 ist sie zudem Mitglied im Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland und dessen stellvertretende Vorsitzende. Im Mai 2017 wurde sie zur Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Deutschen Bibelgesellschaft gewählt. Sie ist Mit-Herausgeberin des Monatsmagazins chrismon.

 

 

 

 

„Es ist das Wort ganz nah bei dir,

in deinem Munde und in deinem Herzen,

dass du es tust.“

5. Mose 30. 14

Liebe Gemeinde!

 

„Von Herzen“, das sagen wir, wenn wir es besonders ernst meinen, mit einem Wunsch, einem Geschenk. Das ist (hoffentlich) keine Floskel.

Die Bibel hat ein ganz eigenes Verständnis vom Herzen.

In der hebräischen, wie in der griechischen Sprache konzentriert sich da im Herzen, alles, was den Menschen ausmacht:

Die gegensätzlichsten Empfindungen und Gefühlen sind dort zu Hause; ebenso die Triebe und Leidenschaften. Im Herzen hat der Wille seinen Sitz und das Gewissen. Im Herzen fallen Entscheidungen, im Herzen werden Pläne geschmiedet, im Herzen wird nachgedacht. Gutes und Böses kann aus dem Herzen kommen; es kann verstockt sein, es kann sich festmachen und hart; es kann sich öffnen und anderen zuwenden; schließlich kann es ängstlich und unruhig umherflattern wie ein Vogel im Käfig.

 

Mein Herz – das bin, nach biblischem Verständnis, ich selbst.

Dein Herz/ Ihr Herz – das bist du/das sind Sie. So wie es Ihnen gerade geht.

Und was ist mir am nächsten?

Ist es meine Angst und sind es meine Sorgen? Ist es meine Trauer und meine Ohnmacht?

Gott sagt seinem Volk zu (Monatsspruch), dass er selbst, mit seinem Wort, ihm ganz nah sein will.

Das ist eine Zusage, die Gott seinem Volk gibt, eine Verheißung.

Weil Gott will, dass wir leben, legt er uns sein Wort in den Mund und ins Herz. Näher kann uns nichts und niemand sein.

Dass Sie diese Nähe Gottes spüren, in den konkreten Situationen Ihres Lebens, dass wünsche ich Ihnen von Herzen.

                                                    

Gerhard Utsch

 

 

Gott spricht:

 „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst."

 

Unbeschreiblich war der Moment! Unvergesslich vor allem! Nach einer langen Wanderung um den Berg Athos klebte uns das Hemd am Leib und die Zunge am Gaumen. Der Rucksack lastete immer schwerer, die Wanderstiefel erhitzten die Füße immer mehr. Verschwitzt und erschöpft – und der steinige Weg nahm einfach kein Ende. An einer Wegbiegung jedoch plätscherte es verlockend. Die Mönche auf Athos hatten dort eine Quelle in Stein eingefasst. Unaufhörlich und zur freien Verfügung sprudelte hier das Schmelzwasser von der verschneiten Bergspitze.

Wie kostbar Wasser ist, versteht man in solchen Momenten erst richtig. Nicht beiläufig aus dem Kran gezapft, nicht mal eben fürs Abduschen nach dem Sport, sondern wirklich zum Durstlöschen – das prägt sich einem ganz tief ein.

Wasser ist Leben! Skandalös, dass es für etliche Menschen auf der Welt schwer oder gar nicht zu zugänglich ist. Nur drei Prozent des gesamten Wassers auf dem Globus ist überhaupt zum Trinken geeignet. Und dieses knappe Gut ist immer ungerechter verteilt. Dabei könnte niemand auf Wasser verzichten. Drei bis fünf Tage ohne Wasser wirken lebensgefährlich.

So wie unser Körper das Wasser, so braucht unser Leben den Glauben. So sagt es Gottes Wort mit der Jahreslosung für 2018. Für den Lebensdurst: dass wir ehrlich geliebt werden wollen, dass wir bedeutsam fürs Ganze sein können, dass wir nicht vergeblich vor uns hin rackern, sondern im Sinnvollen gründen. Dass wir glücklich sein dürfen und gute Spuren bei Menschen hinterlassen. Dass unsere Angst vor dem Übermächtigen kleiner wird.  

Nicht alles ist geeignet, solchen Durst nach Leben zu löschen.

Erst im Glauben schöpfen wir aus dieser einzigartigen Quelle. Jesus Christus ist dieser Brunnen selbst. Wie lebenswichtiges Wasser will sein Geist in unserer Mitte sprudeln. Kräftigend und erfrischend, unaufhörlich und gratis wirkt sein Wort in unserem Leben. Selbst steinige Wege und trockene Wüsten, die wir durchwandern müssen, sind mit diesem „Wasser“ zu bestehen.

Leer bei ihm ankommen und dann gestärkt weitergehen können – in diesem ständigen Rhythmus bewegt sich unser geistliches Leben, das sich in Christus gründet.

So wünsche ich Ihnen ein gutes neues Jahr, in dem Sie immer genau dann seine Quelle finden, wenn Sie sie dringend brauchen.

Herzlich grüßt Sie Ihr

Peter Thomas Stuberg

 

 

 

 

 

- „Die Freude der Buße“ –

 

Liebe Gemeinde!

 

„Buße“ kommt in unserem umgangssprachlichen Wortschatz fast nicht mehr vor. Antiquiert ist eine solche Redeweise, altmodisch.

Und doch: Geldbußen müssen wir bezahlen für ein Vergehen. Gegen die Zahlung eines Bußgeldes wird möglicherweise von einer Haftstrafe abgesehen. Buße ist also eine Strafe.

In allen großen Religionen weiß man um die Buße. Die Bedeutungsunterschiede sind gering.

In der Geschichte des christlichen Glaubens hat „Buße“ einen großen Bedeutungswandel durchlaufen.

Während im Mittelalter „Buße“ mit „in Sack und Asche gehen“ umschrieben werden kann, dominiert heute die Freude der Buße.

Diese Bedeutung hat im Neuen Testament ihren Grund.

Im 15. Kapitel des Lukasevangeliums ist vom „verloren gehen“ und „wiedergefunden werden“ die Rede.

Buße hat etwas mit „gefunden werden“ zu tun. Buße meint das nach Hause kommen.

 

Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes

       über einen Sünder, der Buße tut.       (Lukas 15,10)

 

Das sagt Jesus im Blick auf Menschen, die den Sinn ihres Lebens, ihre Wurzeln, sich selbst und vielleicht auch Gott verloren haben.

So muss es nicht bleiben. Änderung, gefunden werden, Heimkehr ist möglich.

Buße meint Umkehr, Neuausrichtung, nach Hause kommen.

Wie in der Geschichte vom verlorenen Sohn, die wir auch in Lukas 15 finden, ist die Freude das beherrschende Gefühl der Buße, Freude im Himmel und Freude auf der Erde.

Buße ist immer Umkehr auf dem Weg der Gebote Gottes. Sie sind die Angebote zum Leben.                                                    

Gerhard Utsch

 

 

 

 

„Gottes Hilfe habe ich erfahren bis zum heutigen Tag

und stehe nun hier und bin sein Zeuge bei Groß und Klein.“

Apostelgeschichte 26,22

 

Liebe Gemeinde!

Sich dessen bewusst zu sein, dass wir uns mit unserem Leben und allem was wir sind und haben Gott verdanken, ist ein Geschenk und eine große Gabe.

Nicht selten gehen wir besinnungslos durch die Welt. Das meiste ist uns halt unbewusst, im wahrsten Sinne des Wortes.

Paulus wird angeklagt und er muss sich rechtfertigen, in Cäsarea vor dem König Agrippa, der maßgebenden juristischen Instanz. Mit großem Gefolge erscheint der König dort und hört Paulus an.

Und dann redet er von seiner Umkehr vor Damaskus.

Man kann sich das kaum vorstellen, dass diese Stadt eine kulturelle Metropole in Kleinasien war. Heute ist die Stadt Schauplatz größter kriegerischer Gräueltaten.

Vor dieser Stadt geschieht die entscheidende Begegnung des späteren Apostels Paulus. Vor dieser Stadt werden die Weichen des Christentums gestellt. Paulus wird vom Verfolger zum Zeugen für das Evangelium.

Ihm wird vor dem König Agrippa bewusst, dass er sich mit allem was er ist, Gott verdankt. Er weiß sein Leben unter Gottes Schutz. Seine Hilfe hat er konkret erfahren.

Aber damit endet seine Rede nicht. Damit ist nicht alles gesagt.

Dieses Bewusstsein, diese Erfahrungen führen ihn dazu, Gott zu bezeugen. Den Gott, der in Jesus Christus den Menschen nahege-kommen ist. Den Gott, der Mensch geworden ist.

Das scheint für Paulus zusammenzugehören. Das Wissen um die Hilfe Gottes und das Bezeugen dieses Wissens, dieses Glaubens.

Mehr brauchen wir nicht zu tun. Mehr wird nicht von uns erwartet.

Wir müssen Gott nicht rechtfertigen. Wir müssen nicht recht behalten um alles in der Welt. Wir müssen Gott nicht beweisen (was ja eh nicht geht).

Wir sind zum Zeugnis gerufen.

Paulus bezeugt Jesus Christus durch sein Leben. Paulus ist Zeuge durch sein Leben.

Dass er Gott auch bezeugt in dem er predigt, indem er mit den Menschen redet, ist seine Gabe und sein Auftrag.

Da gibt es viele Varianten wie das geschehen kann.

Zeuge sein bedeutet aber zunächst, das Leben wovon ich erfüllt bin, überzeugt bin, begeistert bin.

Darum ist der erste Schritt, sich bewusst sein, dass ich mich Gott verdanke.

Das Zeugnis, von dem Paulus im Monatsspruch für den Monat August spricht, ist der Ausdruck des Dankes gegenüber Gott.

Dankbarkeit und Zeuge sein gehört zusammen, unlöslich.

                                                    

Gerhard Utsch

 

 

 

 

 

 

„Hören – vertrauen - gehorchen“

 

Liebe Gemeinde!

 

Ziviler Ungehorsam und politischer Widerstand haben im christlichen Glauben eine lange Tradition. Sie reichen bis in die jüdischen Wurzeln unseres Glaubens hinein.

Mose widersetzt sich dem Pharao in Ägypten. Die Propheten kritisieren in Israel die Könige. Jesus widersetzt sich der römischen Staatsmacht. Das gleiche gilt für die Apostel der jungen Kirche in Jerusalem und in Kleinasien.

Petrus bringt es auf den Punkt als er und seine Mitstreiter vom Hohen Rat und der römischen Staatsmacht mundtot gemacht werden sollen.

 

Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.

Der Wochenspruch für den Monat Juni, aus Apg. 5, 29

 

Die Tradition des Ungehorsams geht weiter durch die Geschichte der Kirche. Luther und die ´Bekennende Kirche` sind ein beredetes Beispiel dafür. Kritik gegenüber dem Staat und der eigenen Kirche.

Können sich Nationalisten und Populisten von rechts und links auf diese Tradition berufen, wenn sie sich in Protestzügen und Demonstrationen gegen den Staat auflehnen und dabei nicht selten die christliche Tradition bemühen?

 

Wie es geht, Gott mehr zu gehorchen als den Menschen, können wir an aktuellen Beispielen sicher nicht lernen. „Gehorchen“ ist ein problematischer Begriff. Wir können es aber lernen an der Geschichte der ´Bekennenden Kirche` im 3. Reich.

 

Hier ist die Barmer Theologische Erklärung von 1934 ein gutes Beispiel. Sie bringt in ihrer 1. These den Dreiklang des christlichen Glaubens zur Sprache.

 

„Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.“

Hören, vertrauen und gehorchen, das ist der Dreiklang des christlichen Glaubens. Und dieser Dreiklang kann uns in Situationen führen, wo wir Gott mehr gehorchen müssen als den Menschen. Solche Situationen sucht man sich aber nicht aus. In die wird man gestellt.

Vom Hören auf den Zuspruch und Anspruch des Evangeliums über dasVertrauen zu Gott und seine Begleitung führt der Weg zum Tun, zum Gehorchen.

Können sich Nationalisten und Populisten von rechts und links auf diese christliche Tradition der Barmer Erklärung berufen, wenn sie sich in Protestzügen und Demonstrationen gegen den Staat auflehnen?

Sicher nicht!

 

Am Anfang des Dreiklangs christlichen Glaubens steht das „Hören“ auf Jesus Christus. Sein Leben verkündet uns die Menschenliebe Gottes, die allen Menschen gilt. Besonders denen die uns zu Nächsten werden.

Das „Vertrauen“, dass dieses Handeln richtig ist und dem Zusammen-leben der Menschen dient, ist Glaube. Es ist das Vertrauen gegen die Angst die derzeit allenthalben geschürt wird.

Daraus folgt das „Gehorchen“. Das Gehorchen ist das Handeln, ohne das der christliche Glaube leer bleibt.

Kirchenasyl kann eine Form zivilen Ungehorsams in unseren Tagen sein.

Widerspruch einlegen gegen die Angst vor Überfremdung eine andere Form.

Lassen wir uns auf Gottes Wort vertrauen. Trauen wir ihm zu, dass es heute noch dieselbe verändernde Kraft hat wie in der Vergangenheit seiner Kirche.

 

Gottes Segen für unser Leben!

Gerhard Utsch

 

 

 

 

„Nicht über-zeugen sondern be-zeugen

 

Liebe Gemeinde!

Den Worten, den Reden und dem Reden kommt in unseren Tagen eine große Bedeutung zu.

„Postfaktisch“ ist zum Schlagwort geworden. Mit der Wahrheit nehmen es manche nicht so ernst. Populisten haben Oberwasser. Markige Sprüche ziehen.

Der Monatsspruch für den Monat Mai erinnert uns an die Verantwortung die wir als Christen haben, im Umgang mit unseren Worten.

 

Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt.

Kolosser 4,6

 

„Freundlich“ meint nicht, dem Gegenüber nach dem Mund zu reden. „Freundlich“ meint nicht, bloß gut ankommen zu wollen.

Ein Ausleger übersetzt:

 

„Euer Wort sei stets voll Anreiz, wie mit Salz gewürzt.“

 

Da kann es schon mal sein, dass eine Predigt oder eine Andacht in der Zeitung oder dem Gemeindebrief reizt.

Unser Reden soll ja nicht nur bestätigen, sondern auch in Frage stellen.

In dem griech. Wort, dass Luther mit „freundlich“ und der Ausleger mit „Anreiz“ übersetzt, steckt das Wort „gnädig“.

Unser Reden soll sich einreihen in das gnädige Handeln Gottes. Wir sind nämlich Zeugen des Wortes Gottes, mit unserem Reden und Handeln.

Wir brauchen weder mit unserem Reden noch mit unserem Handeln zu überzeugen. Es reicht wenn wir mit unserem Reden und Handeln bezeugen.

Einem Europäer soll einst von einem Inder gesagt worden sein:

„Was du bist, schreit so laut, dass ich nicht mehr hören kann, was du sagst.“

Wir Reden und Tun immer auch was wir sind. Lassen wir uns darum zu einem mutigen und verantwortlichen Reden und Handeln ermutigen, dass den Anderen/die Andere im Blick hat und darum freundlich und liebevoll ist. – Wir sind Zeugen!

Gottes Segen und Friede für unser Leben!

Gerhard Utsch

 

 

 

 

„Friede“

Liebe Gemeinde!

„Sag schön danke“! So sagt die Mutter oder der Vater zu dem Kind, dass gerade beim Einkauf ein Stück Wurst bekommen hat.

Manch einer kennt vielleicht solch eine Szene. Peinlich, wenn vom Kind dann nichts zu hören ist, der Laden voll ist und die Leute gespannt auf den Satz warten. Aber es kommt nichts.

Vielleicht sind solche Zeiten auch überholt. Und doch gibt es Benimm-regeln. Sie mögen sich mit der Zeit ändern, aber es gibt sie. Es ist das, „was man halt tut“, „was allgemeine Übereinkunft ist“, „was zum guten Ton gehört“.

Als Jesus 72 Boten aussendet um den Anbruch des Reiches Gottes auszurufen, da gibt er den Boten so etwas wie Benimmregeln mit auf den Weg. 

Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als erstes:

Friede diesem Haus!

Lukas 10. 5

Im semitischen Sprachraum entstammen die Worte Gruß und Frieden derselben Wurzel. Grüßt man, dann wünscht man Frieden. Das gehört unlöslich zusammen. Wird doch daran deutlich, wie wichtig der Frieden ist. Er ist das Fundament des Zusammenlebens.

Friede ist der Grundwert des Lebens überhaupt. Es gibt kein höheres Gut. Der Friede steht über allen anderen nationalen, gesellschaftlichen und individuellen Werten, die dem jeweiligen Zeitgeist unterworfen sind.

Wenn das Wort Friede den Gruß bestimmt, dann ist das ein gutes, das beste Vorzeichen vor jeder Begegnung.

Botinnen und Boten des Reiches Gottes sind also als erstes Friedensbringer. Botinnen und Boten des Reiches Gottes werden sich also aktiv für den Frieden einsetzen, im Großen wie im Kleinen, im weltpolitischen Zusammenhang, wie im individuellen persönlichen und familiären und sie werden aktiv allem entgegenwirken, was dem Frieden schadet.

Wir haben eine tolle Mission!

Gottes Segen und Friede für unser Leben!

Gerhard Utsch

 

 

 

 

Sie haben Hochkonjunktur: die Herzen.

In allen Variationen begegnen sie einem. Auf Postkarten, auf dem T-Shirt, in Blumensträußen, sogar an Hauswänden  habe ich sie schon entdeckt. Bei Hochzeiten schmücken sie oftmals als Luftballons diesen besonderen Tag. Aber auch in Zeiten der Trauer und des unfassbaren Leides  drücken sie eine irgendwie ohnmächtige Form der Menschlichkeit aus.

Von der Liebe sollen sie erzählen. Manchmal sogar nur noch die Liebe beschwören. Ehrliche, unverfälschte und bedingungslose Liebe. Sie mögen kitschig anmuten. Aber mit diesen Herzen wollen viele Menschen durchaus eine tiefe Sehnsucht ausdrücken. Wonach? Vielleicht nach einer Welt, in der es auf keinen Fall herzlos zugehen soll. Vielleicht,  um einen Traum von vollkommener Liebe zu träumen, in dem es keine Beziehungsprobleme, keine Zwielichtigkeiten und auch keine Kurzlebigkeit gibt. Eigentlich sollen sie ausdrücken, dass wir selbst ein wenig anders, besser und  eben fast wie neu sein könnten, wenn wir die Liebe dauerhaft bei uns beherbergen könnten.

Im biblischen Leitwort für 2017 geht es um ein solch wirkliches Neuwerden gegen die alltägliche Herzlosigkeit.

Und das, obwohl wir ja ansonsten die Alten bleiben. Mit unseren engen Grenzen. Mit unserem Geiz, unserer Kleinlichkeit und unserer taktischen Kühle für den eigenen Vorteil.

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“

Ein solches Herz bekommen wir nicht, wenn wir uns moralisch anstrengen. Es ist auch nicht erst zu spüren in einem besonderen Gefühl.  Es ist ein Geschenk, das ja schon da ist.

Gott hat es bereits in uns eingepflanzt. Dieses neue Herz hat eine einzige Funktion: im Herzschlag Gottes zu pulsieren.

Es schlägt im Rhythmus eines Gottes, der uns fern und nah zugleich sein kann. Der uns bewegt und uns das Stillhalten lehrt. Der uns empfangen heißt und weitergeben, reden und schweigen, ruhen und tätig sein. Ihn hören und darauf antworten. Seine Vollkommenheit erlangen und mit unserem mäßigen Glauben ihm zu entsprechen suchen.

Gott ersetzt euer steinernes Herz, sagt Hesekiel, von dem dieses  Bibelwort stammt. So kommt Gott unserer Sehnsucht nach einer gelingenden Welt entgegen. Er ermöglicht sie. Wie?

Durch seinen Geist, sagt der Prophet. Der Geist gibt uns für den Alltag einen „hintersinnigen“ Blick. Er lässt mich durch die Erfahrungen hindurch sehen. Selbst durch ernüchternde Erfahrungen von herzlosen Versteinerungen.  Sein Geist lehrt mich immer noch mit Gott zu rechnen. Es ist sein Geist, der allem Toten neues Leben einhaucht.

Geht das auch in kleiner Münze? Nun vielleicht indem wir jeden neuen Tag des Jahres 2017 betend Gott anbefehlen. „Sei du da Gott, wo ich nicht mehr weiter komme. Sei da, wenn ich den Menschen begegne, mit denen ich es schwer habe. Sei da, wenn die Tagesschau wieder nur Unfassliches zeigen kann. Sei du da, wenn ich deine Kraft brauche und meine am Ende ist. Sei da, wenn ich mich wegen meiner Fehler abgründig schäme. Sei da, wenn meine Liebe erkalten will, meinem Hoffen der Atem ausgeht und mein Glaube versickern will ….“

So legen wir unser Leben auf Gottes Herz. Und in Jesus Christus entdecken wir, was es heißt: Gott selber ist barmherzig. Darum kann ich es mit mir und den Anderen sein.

Ich wünsche Ihnen ein gutes, herzliches und gesegnetes Jahr 2017.

Peter-Thomas Stuberg, Superintendent

 

 


„Wir sind so frei!“

 

Liebe Gemeinde!

Das ist das Motto unserer aktuellen Staffel der „Tapetenwechsel-Gottesdienste“. Das Motto ist abgeleitet von dem Slogan der Landeskirche, zum nächstjährigen Jubiläumsjahr der Reformation („Ich bin so frei“).

„Freiheit“ war ein zentraler Begriff Martin Luthers und der Reformation. Eine seiner wichtigsten Schriften „Von der Freiheit eines Christen-menschen“ beschäftigt sich damit.

Die Kehrseite der Freiheit ist die Unfreiheit.

Es sind die Zwänge mit denen wir Menschen zu tun haben. Es sind die Erwartungen die andere an uns herantragen und denen wir uns so schlecht entziehen können. Es kann das Zeitkorsett sein, dass wir uns selbst auferlegen oder dem wir unterliegen. Es kann auch der Zwang zu einem Handeln sein, dass wir vielleicht selbst einfach nicht wollen.

Eine andere zentrale Schrift Martins Luthers, „Vom unfreien Willen“ beschäftigt sich mit der Kehrseite der Freiheit.

Freiheit ist ein schillernder Begriff. Die frz. Revolution war davon durchdrungen: „Freiheit – Gleichheit – Brüderlichkeit“. Und wir sind froh in einem freien Land leben zu können.

Nun ist Freiheit ja nicht grenzenlos. Unsere Freiheit endet bekanntlich an der Freiheit des anderen. Freiheit braucht Grenzen und Regeln um nicht in die Unfreiheit zu münden.

Diese Grenzen sind die zehn Gebote, die Angebote zum Leben sind, Einweisungen in die Freiheit.

 

Wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.

2.Korinther 3,17

Der Monatsspruch für den Monat Oktober erinnert uns daran, dass es der Geist Gottes ist, der uns den Sinn und die Wichtigkeit der Gebote Gottes als Angebote zum Leben erschließen will.

Jesus hat sie gelebt, diese Angebote. Er lädt uns ein, ihm nachzufolgen, im Leben der Gebote.

 

Gottes Segen für unser Leben!

Gerhard Utsch

 

 

Habt Salz bei euch und haltet Frieden untereinander!
Markus 9,50

Liebe Gemeinde…
…Sommerzeit, Ferienzeit!
Auch wenn das Wetter noch nicht so richtig mitspielt, nicht wenige sind in diesen Tagen unterwegs. Manche in andere Regionen unseres Landes. Andere in andere Teile Europas.
Der Sommer ist Ferienzeit und für viele Urlaubszeit.
Dass man sich in fremden Regionen und Ländern wie ein Gast verhält ist nicht für alle, aber für viele immer noch selbstverständlich. Andere Länder andere Sitten. Da geht es um Rücksichtnahme und Einfühlungs-vermögen.
Der Monatsspruch für den Monat August ist kein Ratschlag für den Urlaub. Er ist ein gutgemeinter Ratschlag Jesu für seine Jünger.
Jesus hat auf sein Sterben hingewiesen. Jesus versucht seine Jünger nun auf die Zeit vorzubereiten, wo er nicht mehr unter ihnen sein wird.

„Habt Salz bei euch und haltet Frieden untereinander!“

Salz und Frieden sind die Geschenke des Gastes an seinen Gastgeber.
Wir sind nicht nur im Urlaub unterwegs. Wir sind im übertragenen Sinne täglich unterwegs, wenn wir auf andere zugehen, wenn wir anderen Menschen begegnen. Menschsein heißt Unterwegssein! Christsein, Nachfolge ist Unterwegssein!
Haben wir auf unserem Weg Salz und Frieden im Gepäck? Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir viel zu viele feste Bilder und Vorstellungen im Gepäck haben, von denen wir meinen die anderen überzeugen zu müssen.
So wie Salz unverzichtbar ist für unsere Lebensmittel und Mahlzeiten, so ist der Frieden unverzichtbar für unsere Begegnungen.
Nicht um des lieben Friedens willen. Der Frieden ist kein Selbstzweck. Frieden um des Miteinanders willen.
Habt Salz bei euch und haltet Frieden untereinander!
Geht achtsam miteinander um, einfühlsam und aufmerksam. Das brauchen wir für unsere Begegnungen. Nicht nur im Sommer.

Gottes Segen für unsere Reisen!
Gerhard Utsch

 

 

Meine Stärke und mein Lied ist der Herr,
er ist für mich zum Retter geworden.
2. Mose 15. 2

 

Liebe Gemeinde!

Jahrzehnte der Unterdrückung lagen hinter Mose und seinem Volk. Immer unerträglicher waren die Folterungen.
Und dann die Befreiung.
Mose und sein Volk führen die Rettung auf Gott zurück. Es ist Gottes Tat, hinter und neben allem Mut den die Menschen aufgebracht haben zu rebellieren und Widerstand zu leisten. Mose scheut vor Gewalt gegen die Unterdrücker nicht zurück. Das Volk zieht vor den Pharao, den Unterdrücker und Despoten und protestiert. Das Bekenntnis des Moses wird zu seiner Lebensmaxime, zu seinem Leitspruch für Freiheit und Gerechtigkeit. Mose stellt sich ganz bewusst unter die Stärke und Führung Gottes. Alles was ihn stark macht ist die Kraft Gottes. Dass dabei nicht alles glatt läuft, dass dabei Fehler passieren, dass Mose dabei auch schuldig wird an Menschen und an Gott, gehört tragischer Weise dazu.
Der Monatsspruch für den Monat Juni ermutigt uns zum Widerstand gegen die Ungerechtigkeiten in der Welt. Er ermutigt uns Kraft und Mut zum Widerstand bei Gott zu suchen und uns nicht kleinmütig und resignativ zurück zu ziehen. Es ist ein Skandal, dass in unseren Flüchtlingsunterkünften gähnende Leere herrscht und in Griechenland, einem Land am Abgrund, Flüchtlinge unter menschenunwürdigen Umständen „leben“ müssen. Es ist ein Skandal, dass die „Wertegemeinschaft“ der EU sich offensichtlich nur auf das Verdienen bezieht. Ein Großverdiener ist Deutschland. Es ist ein Skandal der Weltgemeinschaft, dass Millionen und Milliarden in die Rettung von Banken gesteckt wird, aber die Lebensumstände der Menschen in den Kriegsgebieten nicht verbessert werden können. Es ist ein Skandal, dass am Krieg in Syrien immer noch verdient wird.
Lassen wir uns zum Widerstand ermutigen, zum öffentlichen Bekennen unseres Glaubens, der Gerechtigkeit schon heute will. Meine Stärke und mein Lied ist der Gott, Gerechtigkeit und Leben will. Lassen Sie uns Gottes Segen dazu erbitten!

Gerhard Utsch